CfP – Die Großstädte und das Geistesleben – Zur Aktualität von Georg Simmel

Call for Papers

Die Großstädte und das Geistesleben – Zur Aktualität von Georg Simmel

Ad hoc-Gruppe beim 40. Soziologiekongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, TU Berlin

Gesellschaft unter Spannung – wie kaum ein anderer klassischer Denker hat der in Berlin geborene Georg Simmel die Unruhe, Anspannung und Nervosität seiner Zeit zum Kern seines eigenen Denkens gemacht, das im Geistesleben der Großstädte eine räumliche Verdichtung erfährt: Der Preis für den Gewinn individueller Freiheit ist die Entfremdung zum räumlich Nächsten inmitten der großstädtischen Vielfalt, stets begleitet von der Latenz sublimer Aversion. Was bleibt, ist die bloße ‚Form‘ zwischenmenschlicher Beziehungen. Ist damit auch die inhaltliche ‚Substanz‘ und ‚Kraft‘ traditionaler, homogener Bindungen verloren gegangen?

Sei es das großstädtische Tempo, ihre Architektur und Institutionen, Form und Veränderung der Gesprächsführung: Das Leben in der Großstadt war für Simmel immer auch Erleben der Großstadt, geformt im Wechselspiel mit ihrer Größe, ihrer Vielfalt und Heterogenität. Die phänomenologische Beschreibungsform war ein ganz wesentliches Merkmal des Oevres Georg Simmels.

Wir möchten Simmels Denken aktualisieren und heißen theoretische wie empirische Beiträge gleichermaßen willkommen, welche simmelsche Großstadt-Topoi aufgreifen und ihre Relevanz für die Gegenwartsgesellschaft aufzeigen – affirmativ wie negierend. Die formale Nähe zur Person Simmels ist kein Muss, vielmehr sind Auseinandersetzungen mit seinen Ideen einer von Spannungslinien durchzogenen Gesellschaft ausdrücklich gewünscht, die in der Großstadt ihr verkörpertes Sinnmotiv findet. Wir möchten im Simmelschen Geiste mit Simmel über Simmel hinausgehen.

Das geplante Programm soll fünf Vorträge umfassen. Diese Ad hoc-Gruppe soll Otthein Rammstedt gewidmet sein, der die weltweite Simmelrezeption durch die von ihm herausgegebene textkritische Georg Simmel-Gesamtausgabe maßgeblich professionalisiert hat.

Beiträge könnten folgende, beispielhafte Motive aufgreifen:
– Das Erleben von Großstadt (im Unterschied bspw. zum Land)
– Emotionsforschung des Großstadtlebens
– Facetten der Entfremdung und des Entfremdungsempfindens als (typische?)

Lebensform des Großstadtlebens
– Großstädte als Ort von Individualität und (Ent-)Solidarisierung in Großstädten
– Facetten großstädtischer Anonymität
– Durch das Großstadtleben ermöglichte, vielleicht auch nahegelegte Berufsbilder – Die Großstadt als ein paradigmatischer Träger von Gegenwartsdiagnose

Wir freuen uns auf interessante Vorträge und spannende Diskussionen. Abstracts mit Beitragsvorschlägen (maximal 1000 Wörter) bitte bis 22. Mai 2020 an: pberger@soziologie.rwth-aachen.de, haerpfer@soz.uni-frankfurt.de, Stephan.moebius@uni-graz.at und morikawa@flet.keio.ac.jp

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